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die Weimarer Republik
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In Weimar beschloß die Nationalversammlung die neue deutsche Verfassung. Das Deutsche Reich war nun eine parlamentarische Demokratie nach westlichem Vorbild mit einem starken Präsidenten an der Spitze. Nach dem Ersten Weltkrieg begründeten demokratische Parteien in Deutschland ein parlamentarisches Regierungssystem nach westlichem Vorbild. Doch von Anfang an wurde die„ungeliebte Republik" von nationalkonservativen Kreisen abgelehnt und durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 praktisch abgeschafft. Bereits im September 1918 informierte die Oberste Heeresleitung den Kaiser über die bevorstehende militärische Niederlage Deutschlands und empfahl baldige Waffenstillstandsverhandlungen. Hindenburg und Ludendorff, die seit Juli 1917 in Deutschland eine Art Militärdiktalur eingerichtet hatten, stahlen sich somit klammheimlich aus der Verantwortung für die Niederlage. Ludendorff begann bereits zu dieser Zeit an einer für die Weimarer Republik folgenschweren Geschichtslüge zu stricken: der „Dolchstoßlegende“. Das Heer sei „im Felde unbesiegt" geblieben, die Schuld für den letztlichen Zusammenbruch trügen verräterische Kräfte in der Heimat. Am 9. November verzichteten Kaiser und Kronprinz auf den Thron, und mit ihnen begaben sich auch die Monarchen der deutschen Einzelstaaten ins Exil. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief am selben Tag in Berlin die Republik aus, die Regierungsgeschäfte gingen zunächst provisorisch auf den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Friedrich Ebert, über. Die politische, militärische und wirtschaftliche Ordnung brach zusammen,an ihre Stelle traten überall spontan gebildete Arbeiter- und Soldatenräte. Den Waffenstillstandsvertrag unterschrieb am 11. November 1918 kein Feldmarschall mit Pickelhaube und Monokel oder ein gekröntes Haupt, sondern der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger. Die „Novemberverbrecher", denen Nationalkonservative und später auch die Nazis die Schuld am verlorenen Krieg und den harten Friedensbedingungen von Versailles in die Schuhe schoben, waren gefunden. In Weimar beschloß die Nationalversammlung die neue deutsche Verfassung. Das Deutsche Reich war nun eine parlamentarische Demokratie nach westlichem Vorbild mit einem starken Präsidenten an der Spitze.
POLITISCHE NEUORDNUNG Die alten Eliten hatten abgedankt, doch das künftige Schicksal Deutschlands blieb ungewiß. Uberall im Reich wehte die rote Fahne, und es schien klar, daß die SPD in Zukunft eine maßgebende Rolle spielen würde. Ebert war ein Befürworter eines parlamentarischdemokratischen Staates, doch es gab in Deutschland auch starke Stimmen, die sich für eine Rätedemokratie aussprachen, Zunächst etablierte sich eine merkwürdige Doppelherrschaft: Dem „Rat der Volksbeauftragten“, dem drei SPD-und drei Vertreter der während des Krieges von der SPD abgespaltenen Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USP) angehörten, stand der„Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte" gegenüber, der aus den lokalen Arbeiter- und Soldatenräten hervorgegangen war. Der Konflikt entzündete sich an der Frage, ob die Entscheidung über das neue politische System einer Nationalversammlung vorbehalten sein sollte oder ob die revolutionären Räte nicht bereits dieses neue System darstellten.
Der Spartakusbund um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht strebte die Beibehaltung des Rätesystems und die Fortführung der Revolution an, die USP verhielt sich abwartend, und die seit Dezember alleinregierenden Mehrheitssozialdemokraten (die alte SPD) hatten nicht die militärischen Machtmittel, einen geordneten demokratischen Übergang sicherzustellen. Anfang 1919 kam es in einigen Teilen des Reiches zu Aufständen der radikalen Linken. Im Januar konnte der Spartakusaufstand der von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht eben gegründeten Kommunistischen Partei nur mit Hilfe von Freikorpstruppen niedergeworfen werden. Bei den Freikorps handelte es sich um Freiwilligenverbände ehemaliger Frontsoldaten, deren politischer Standort schwer auszumachen war, die aber der Demokratie mindestens ablehnend gegenüberstanden. Inmitten dieser Wirren fanden die Wahlen zur Nationalversammlung statt. Die Befürworter einer demokratischen Grundordnung gingen aus ihnen als klare Sieger hervor. Im Februar 1919 wurde die Nationalversammlung in Weimar eröffnet und Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt. Ministerpräsident wurde Scheidemann, der der Regierung der „Weimarer Koalition" vorstand, die von SPD, dem katholischen Zentrum und der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) getragen wurde. Deutschland wurde nach der neuen Verfassung nun eine parlamentarisch-demokratische Republik mit einem Reichspräsidenten an der Spitze, dem vor allem auch der Notstandsartikel 48 eine große Machtfülle verlieh. Das Parlament, der Reichstag, wurde in allgemeinen, freien und geheimen Wahlen vom ganzen Volk gewählt, ebenso die Ländervertretung, der Reichsrat. Die Zukunft Deutschlands wurde allerdings nicht nur in Berlin oder Weimar bestimmt. Die Siegermächte konstruierten auf den Pariser Vorortkonferenzen (1919-1920) die neue Friedensordnung Europas. Die Donaumonarchie wurde ebenso aufgelöst wie das Osmanische Reich. In der deutschen Frage waren sich die Alliierten allerdings nicht einig. Insbesondere Frankreich wollte sich gegen einen möglichen Revanchekrieg absichern. Pläne zu einer Auflösung des Deutschen Reiches standen aber der traditionellen britischen Gleichgewichtspolitik entgegen. Auch befürchtete man eine Revolution nach bolschewistischem Muster in Mitteleuropa. Drei Möglichkeiten zur Eindämmung des in Rußland seit Oktober 1917 etablierten und bedrohlichen Bolschewismus wurden ins Auge gefaßt. Zum einen die Schaffung eines„Cordon sanitaire“, einer Art Pufferzone, der neuen ostmitteleuropäischen Staaten gegen das revolutionäre Rußland, zum anderen die Bildung des Völkerbundes als Vermittlungsgremium zwischen den Staaten und schließlich die Gewährung von gewissen Entwicklungsmöglichkeiten für Deutschland.
DIE KRISENJAHRE Alle drei Strategien wurden miteinander verflochten, aber jede für sich nicht konsequent durchgeführt. Der Völkerbund blieb ein bloßer Papiertiger, weil kein Land Souveränitätsrechte an ihn abgeben wollte. Deutschland und Rußland waren zudem ausgeschlossen. Auch in Osteuropa wurden Vereinbarungen getroffen, die Spannungen der neuen Staaten zu Moskau einerseits und zu Deutschland andererseits nach sich zogen. Die gewaltigen Gebietsverluste, die das Deutsche Reich im Osten hinnehmen mußte, und die eindeutige, im Versailler Vertrag (28. Juni 1919) festgeschriebene Kriegsschuldzuweisung ließen Deutschland als lebensfähige politische Einheit zwar weiter bestehen, doch wurden diese Regelungen von keiner politischen Gruppierung akzeptiert.
Deutschland befand sich in einer äußerst schwierigen Situation. Ein Großteil des wichtigen Industriereviers in Oberschlesien ging verloren, ebenso wie nahezu die gesamte Handelsflotte und das deutsche Auslandsvermögen. Die Reichswehr wurde auf 100.000 Mann beschränkt und durfte keine schweren Waffen besitzen. Die Alliierten forderten hohe Reparationsleistungen in Form von Rohstoffen, Waren und Goldzahlungen, so daß die ohnehin schon stark angespannte Wirtschaftslage sich weiter zuspitzte. Als französische und belgische Truppen 1923 das Ruhrgebiet besetzten, um ausstehende Reparationen zu erzwingen, rief Reichskanzler Cuno zum „passiven Widerstand" auf. Der Geldwert verfiel mehr und mehr. Im November 1923 hatte ein US-Dollar den Gegenwert von 4,2 Billionen Papiermark.
Diese Situation gab den republikfeindlichen Kräften starken Auftrieb. Die demokratischen Politiker Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von rechtsextremen Attentätern ermordet. Der rechtsextreme Kapp-Putsch brach zwar 1920 aufgrund eines Generalstreiks zusammen, die Reichswehr hatte sich allerdings nicht zum Schutz der Republik bereit erklärt. Auch die Gerichte gingen mit politischen Straftätern aus dem rechtsextremen Lager sehr viel milder um als mit Kommunisten. Diese mußten nach ihren gescheiterten Putschplänen im Oklober 1923 einsehen, daß der Versuch einer baldigen Errichtung der „Diktatur des Proletariats" in Deutschland nicht mehr realistisch war.
Auch die fanatischen Rechten erhielten einen Dämpfer. Unter Führung von Hitler und Ludendorff versuchte im November 1923 die NSDAP zum erstenmal die Macht an sich zu reißen. Doch der schlecht vorbereitete Putsch endete vor der Münchner Feldherrnhalle im Kugelhagel der bayerischen Polizei. Obwohl die Justiz sehr nachsichtig mit Hitler und seiner Partei umging, dauerte es einige Jahre, bis die Nationalsozialisten sich von dieser blamablen Niederlage erholt hatten. Innen- und außenpolitisch standen die Reichsregierungen der ersten vier demokratischen Jahre unter extrem starkem Druck. Dennoch wurden alle Putschversuche abgewehrt, und auch die internationale Isolierung konnte Deutschland durch den Friedensvertrag mit den USA 1921 und die Normalisierung der Beziehungen zur Sowjetunion im Vertrag von Rapallo 1922 aufweichen.
DIE „GOLDENEN 20ER JAHRE"
Einen schweren Schlag für die Demokratie bedeutete der Tod Friedrich Eberts 1925. Nachfolger wurde der greise Feldmarschall Paul von Hindenburg, ein Symbol des untergegangenen wilhelminischen Kaiserreichs. 1928 bildete der Sozialdemokrat Hermann Müller die letzte parlamentarisch gestützte Regierung. Als die Koalition im März 1930 an der Frage der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung scheiterte, war auch die Weimarer Republik am Ende, lange bevor Hitler die Stärke besaß, ihr den Todesstoß zu versetzen.
DIE PRÄSIDIALKABINETTE Die Weltwirtschaftskrise erreichte 1930 auch Deutschland. Die Arbeitslosigkeit nahm dramatische Ausmaße an und hatte eine Radikalisierung der Politik zur Folge. Der Reichstag war praktisch arbeitsunfähig. Die drei letzten Reichskanzler vor Hitler -Brüning, von Papen und Schleicher - konnten sich nur durch Unterstützung des Reichspräsidenten, der den Notstandsartikel 48 sehr großzügig anwandte, am Ruder halten. Eine einflußreiche Gruppe im Umfeld Hindenburgs, die aus ostelbischen Junkern, seinem Sohn Oskar und General Kurt von Schleicher bestand, leitete den Sturz Brünings ein, der„hundert Meter vor dem Ziel" die Früchte seiner deflationistischen Wirtschaftspolitik nicht mehr ernten konnte. Die Reichstagswahlen vom September 1930 hatten der NSDAP zu einer hohen Mandatszahl verholfen, und bei den Wahlen vom Juli 1932 wurde sie sogar stärkste Partei. Auch die KPD verbuchte erhebliche Stimmengewinne. Paramilitärische Verbände aller politischen Gruppierungen („Stahlhelm", „SA", „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" oder der „Rotfrontkämpferbund") verlagerten das politische Geschehen mehr und mehr auf die Straße.
Die Nationalsozialisten wollte Reichskanzler Franz von Papen, der mit seinem „Kabinett der Barone" in einem Staatsstreich die SPDRegierung in Preußen abgesetzt hatte, dazu benutzen, eine nationalkonservative Diktatur zu errichten. Doch die Rechnung ging nicht auf. Nach dem Ende der kurzen Kanzlerschaft Schleichers erteilte Hindenburg auf Drängen Papens die Zustimmung zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und zu Reichstagsneuwahlen. lm nun gebildeten Koalitionskabinett des „Nationalen Zusammenschlusses" spielte nicht Papen Hitler, sondern Hitler Papen an die Wand. Am 23. März 1933 stimmte der Reichstag gegen die Stimmen der SPD für das „Ermächtigungsgesetz". Hitler war nun unanfechtbarer Diktator, und die deutsche Katastrophe nahm ihren Verlauf.
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