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Mit dem großen Börsenkrach am 24. Oktober 1929 stürzte die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise. Massenarbeitslosigkeit, Armut und der Zusammenbruch von Industrie und Banken warfen einen düsteren Schatten auf die 30er Jahre.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg lag die Weltwirtschaft völlig am Boden. Deutschland wurden extreme Reparationslasten auferlegt, England war bei den USA tief verschuldet, und in der Sowjetunion litten die Menschen unter der Politik des „Kriegskommunismus". Nur in Amerika schienen die wirtschaftlichen Wachstumsraten in den Himmel zusteigen. Seit etwa 1924 bahnte sich eine allgemeine Phase der Prosperität an.

Die New Yorker Börse in der Wall Street brach im Oktober 1929 völlig zusammen. Der Indexdurchschnitt der Industriewerte sank von 452 Punkten im Oktober 1929 bis auf 58 Punkte am 8. Juli 1932.

Auch in Großbritannien führte die Krise zu Massenelend. Die Zahl der Arbeitslosen stieg Anfang der 30er Jahre rapide an.

 Amerika war das Land mit dem höchsten Lebensstandard. Ein Auto stellte für den Normalbürger schon eine durchaus erschwingliche Anschaffung dar, die Industrieproduktion hatte stattliche Wachstumsraten, und Arbeitslosigkeit kannte man praktisch nicht. Um so größer war der Schock, als zwischen dem 23. und 29. Oktober 1929 die New Yorker Bör­se völlig zusammenbrach, und zunächst die USA, dann nahezu die ganze Welt in eine tiefe wirtschaftliche Depression gestürzt wurden. Auch wenn die klassischen Anzeichen für das Ende eines Booms nicht aufgetreten und die Warenpreise stabil geblieben waren, ein aufmerksamer Beobachter der Konjunktur hätte Alarmzeichen bemerken können.

Die Kaufkraft hinkte der Produktion hoch­wertiger und dauerhafter Konsumgüter hinterher, so daß über kurz oder lang eine Marktsättigung eintreten mußte. Fatal war ebenfalls die Situation am Kapitalmarkt. Die Börse entwickelte ein Eigenleben, das auch erfahrene Ökonomen nicht mehr überschauen konnten. Die Aktienkurse stiegen in ungeahnte Höhen, und niemand konnte sich vorstellen, daß an der Börse auch Geld verloren werden konnte. Ein bis heute nicht erklärbares Spekulationsfieber nahm nun im Sommer 1929 geradezu phantastische Ausmaße an. Die Ausgabe immer neuer Aktien und die Gründung immer weiterer Investmentgesellschaften, deren Papiere in der Hoffnung auf das schnelle Geld häufig auf Kreditbasis gekauft wurden, mußten irgendwann zum Kollaps führen. So ge­schah im Herbst 1929 das Unvermeidliche: Die Kurse stürzten ins Bodenlose, und viele bisher wohlhabende Bürger verloren innerhalb von Stunden ihr gesamtes Vermögen.

DIE GROSSE KRISE     

Anfang November1930 konnte man in Amerika überall gebrauchte Autos, Pelzmäntel, Schmuck und Häuser zu Schleuderpreisen erwerben, doch niemand hatte Geld. Die Indu­strieproduktion sank von 1929 bis 1932 auf 54%, das Sozialprodukt auf 43,5%. War die Industrie schon hart getroffen, so kam es für die Landwirtschaft noch ärger, die meisten amerikanischen Farmer standen vor dem Ruin. Ein Drittel aller Banken mußte bis 1933 ihre Schalter schließen, und die Arbeitslosen­zahl stieg auf 14-15 Millionen, auf über 30%. Präsident Hoover schien der Situation über­haupt nicht mehr gewachsen zu sein, zumal durch Skandale das Vertrauen der Bevölke­rung in die Führung verlorenging. Erschwe­rend kam hinzu, daß die europäischen Länder mit in den Strudel gerissen wurden und ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber den USA nicht mehr nachkommen konnten.

Trotz Massenelend blieb der soziale Friede einigermaßen gewahrt. Kommunisten und Sozialisten konnten erstaunlicherweise nicht von der katastrophalen Situation profitieren. Dennoch waren die bisherige Wirtschaftspolitik und ihre Vertreter am Ende. Eine Wende versprach sich das amerikanische Volk, als es 1933 den Demokraten Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten wählte.

 

DER „NEW DEAL“

Roosevelts Aktionsprogramme zur Rettung der Wirtschaft waren aber alles andere als ein geschlossenes, in sich tragfähiges Konzept. Wie auch immer man die einzelnen, sich oft widersprechenden Maßnahmen aus der historischen Distanz würdigen mag, es ist das entscheidende Verdienst des neuen Präsi­denten, das Vertrauen in die Regierung wiederhergestellt zu haben. Sein berühmter Satz, daß man nichts zu fürchten hätte, außer die Furcht selbst, wurde zum Programm. Die „Re­volution Roosevelts" bedeutete einen Umbau der amerikanischen Gesellschaft von einer klassischen Freihandelsnation zu einem mo­dernen Sozialstaat, dem aber kein theoretisch durchdachtes System, sondern ein perma­nentes Improvisieren zugrunde lag.

Das erste Bündel von Maßnahmen in den „Hundert Tagen" vom 9. März bis 16.Junl 1933 beinhaltete eine Schließung der Banken, von denen nur die „gesunden" wieder öffnen durften, ein Ausfuhr- und Hortungsverbot für Gold und Valuta, eine drastische Abwertung des Dollars und Gesetze zur Entlastung der hochverschuldeten Bauern und Hausbesitzer. Zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte griff der Staat entscheidend in die Wirtschaft ein. Die weiteren Notstandsprogramme, die die landwirtschaftliche Produktion und den Wohnungsbau ankurbeln sollten, sowie staatliche Vorgaben zum Abbau der Arbeitslosigkeit und Einführung einer Sozialgesetzgebung, konnte Roosevelt jedoch nur zum Teil durchsetzen.

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs hatte man den Stand von 1929 bei weitem noch nicht erreicht. Der New Deal war sicher kein voller Erfolg, doch ohne die staatliche Lenkung hätte die Wirtschaftsdepression noch weitaus schlimmere Folgen gehabt.

WELTWEITE FOLGEN  

Mit einer Verzögerung von wenigen Monaten traf die Krise auch die übrige Welt. Im Mai 1931 brach die Österreichische Credit- Anstalt zusammen, einen Monat später die erste deutsche Bank. England sah sich im September 1931 gezwungen, vom Goldstandard abzugehen, die übrigen Staaten folgten.

Massenarbeitslosigkeit, zahllose Konkurse und drohender Staatsbankrott kennzeichneten die wirtschaftliche Lage der meisten Länder. Allein in Deutschland waren sechs Millionen Menschen erwerbslos, die parlamentarische Demokratie scheiterte, und die Kanzler der Jahre 1930-1933 konnten nur mit Notverordnungen regieren. Erst nach der Machtübernahme Hitlers schien sich die Wirtschaft zu erholen. Der versierte Finanzpolitiker Hjalmar Schacht griff dabei - wie Roosevelt in Amerika - auf Teile der Wirtschaftstheorie des englischen Nationalökonomen Lohn Maynard Keynes (1883-1946) zurück. Ähnlich wie in Amerika waren es nicht in erster Linie wirtschaftliche Faktoren, die den Erfolg der geänderten Wirtschaftspolitik bestimmten. Vielmehr war es der Glaube an eine neue Politik, der die Bevölkerung aus einer psychologischen Resignation zu aktiver Unterstützung der Regierung motivierte. In Amerika wurde nun die Demokratie durch diesen Glauben gestärkt, in Deutschland die Diktatur.