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Die Französische Revolution stürzte die jahrhundertealte Monarchie in Frankreich, proklamierte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und behauptete sich im Kampf gegen ein feindliches absolutistisches Europa.

Im Jahr 1789 war Frankreich das mächtigste Land auf dem europäischen Kontinent, seit nahezu 150 Jahren gehörte das Königreich dank seiner fruchtbaren Erde, der hohen Bevölkerungszahl und einer florierenden Wirtschaft zu den führenden Nationen. Im 18. Jahrhundert nahmen Handel und Gewerbe kräftigen Aufschwung, der Mittelstand erstarkte, und Kunst und Wissenschaft erlebten eine Blütezeit.

Fortschritt und Wohlstand verdankte Frankreich dem aufstrebenden Bürgertum. Die französische Gesellschaft war jedoch in vielen Bereichen noch mittelalterlich geprägt, und die althergebrachten Gewohnheiten, Gesetze und Regelungen hemmten die wirtschaftliche Entwicklung. Auf dem Land bestanden die Privilegien des Adels weiter fort. So waren zum Beispiel die Bauern verpflichtet, ihr Getreide in der Mühle ihres Lehensherrn (und zum von ihm vorgeschriebenen Preis) zu mahlen oder Zwangsarbeit zur Erhaltung der örtlichen Straßen zu leisten. Der Adel trat als eigenständige, bevorrechtigte Klasse auf, trug aber nichts zum allgemeinen Wohlstand bei. Besonderen Unmut erregten seine Steuerprivilegien, da die Last der Abgaben allein das Volk tragen mußte.

MACHT UND KORRUPTION  

Eine innere Reform der Regierung oder des Rechtssystems war nicht zu erwarten. Ämter wurden gekauft und zur persönlichen Bereicherung mißbraucht. Derlei Mißstände traten immer schärfer ins Bewußtsein des Volkes. Zum Teil war dies dem Einfluß bedeutender Schriftsteller des 18.Jahrhunderts wie Voltaire und Diderot zuzuschreiben, die unverblümt die Ungerechtigkeiten anprangerten.

Diese Situation, die durch Wirtschaftskrise und Hungersnot noch verschärft wurde, barg reichlich Zündstoff in sich. Der entscheidende Auslöser war jedoch der Staatsbankrott der Monarchie.

Das aufwendige Hofleben der Könige Frankreichs und der ebenfalls mit immensen Kosten verbundene Unterhalt einer großen Land- und Seestreitmacht belastete die Staatskasse ebenso wie die zahlreichen ehrgeizigen und kostspieligen Kriege. Das Steueraufkommen, an dem sich Adel und Klerus nicht beteiligten, reichte bei weitem nicht aus. Die königlichen Schulden wuchsen über die Jahre hin stetig an, und in der Regierungszeit von Ludwig XVI. (1774-1793) wurde die Lage immer kritischer. Die Unterstützung der Kolonisten in Amerika im Befreiungskrieg gegen England ließ den Schuldenberg noch weiter anwachsen. Nachdem das Parlament einen weiteren Reformversuch vereitelte, tat Ludwig XVI. einen ungewöhnlichen Schritt: Er berief die Generalstände ein, ein gewähltes, dem Parlament verwandtes Gremium. das fast in Vergessenheit geraten war (es hatte seit 1614 nicht mehr getagt). Sein mittelalterlicher Ursprung zeigte sich in der Unterteilung in drei Stände. Die ersten beiden Stände wurden von Adel und Geistlichkeit gebildet, der dritte Stand umfaßte das übrige Volk - Fabrikanten, Kaufleute, Gelehrte, Bauern und Arbeiter.

ABSTIMMUNG IN VERSAILLES

Graf Mirabeau, 1789-1790 der prominenteste Sprecher in den Generalständen, versuchte, die Adligen von der Reform zu überzeugen.

 

Die Generalstände traten am 5. Mai 1789 im königlichen Palast von Versailles vor den Toren der Hauptstadt zusammen. Ludwig hatte vermutlich gehofft, daß sämtliche radikalen Vorschläge abgelehnt würden, denn jeder Stand hatte das gleiche Gewicht, unabhängig von der Zahl der durch ihn repräsentierten Menschen, so daß Adel und Geistlichkeit den dritten Stand zwei zu eins überstimmen konnten. Doch hätte die stürmische Begeisterung des Volkes für die Generalstände ihn warnen müssen. Die gewählten Vertreter des dritten Standes, die fast alle der gebildeten Mittelschicht entstammten, bestanden darauf, daß die Stände zusammen tagen und nach Köpfen abstimmen sollten, das heißt, mit der einfachen Mehrheit aller Mitglieder der Generalstände. Der dritte Stand hatte so viele Deputierte wie die beiden anderen Stände zusammen, folglich hätte eine solche Wahlordnung dem „gemeinen Volk" eine klare Mehrheit verschafft und den Weg für drastische Änderungen freigemacht.

Der Disput über das Wahlverfahren war eine Feuerprobe für die Durchsetzungskraft des dritten Standes. Als seine Anträge zurückgewiesen wurden, erklärte er sich selbst zur verfassungsgebenden Nationalversammlung.

Beim „Ballhaus-Schwur" am 20. Juni 1789 verpflichteten sich die Deputierten nicht vor Vollendung einer neuen Verfassung auseinanderzugehen.

 

Nach wochenlanger Spannung gab der König dem ersten und zweiten Stand Weisung, sich der Nationalversammlung anzuschließen. Allerdings war Ludwig zu diesem Zeitpunkt bereits zu der Überzeugung gelangt, daß die Entwicklung außer Kontrolle geriet, und hatte vier Heeresregimenter von den Grenzen abgezogen, die Paris„schützen" sollten. Die Nachricht von dieser Aktion und die Entlassung eines populären Ministers lösten Befürchtungen aus, die Armee könne durch ein Massaker einen Staatsstreich des Königs durchsetzen. Die Pariser Bevölkerung bewaffnete sich. Als bekannt wurde, daß große Mengen an Pulver und Waffen in der Bastille, einer streng bewachten Festung, eingelagert worden waren, war dies das Signal zur offenen Rebellion. Die Erstürmung dieses verhaßten Symbols königlicher Tyrannei galt als Beginn der Revolution. Bis zum heutigen Tag begeht Frankreich den Jahrestag ihres Falls am 14. Juli 1789 als Nationalfeiertag.

Der Sturm auf die Bastille, 14. Juli 1789. Die Eroberung dieses königlichen Gefängnisses stand als Symbol für den Erfolg im Kampf gegen das alte Regime.

KONSTITUTIONELLE MONARCHIE

Die Begeisterung für die Versammlung de Volkes und die leidenschaftliche Forderung nach einem politischen Wandel erreichten nun einen neuen Höhepunkt. Da die Loyalität der Truppen nicht mehr sicher schien, akzeptierte Ludwig XVI, widerstrebend die Rolle eines zur Mitarbeit verpflichteten konstitutionellen Monarchen, während die Versammlung eine neue politische und soziale Ordnung entwarf. Am 4. August 1789 beschloß die Nationalversammlung die Abschaffung sämtlicher Adelsprivilegien. Erstmals waren die Bauern wahrhaft frei. Während der nächsten beiden Jahre wurden die Gewohnheitsrechte und Privilegien des Adels und der Klerus beseitigt, und Frankreich erhielt eine moderne, bürgerliche Staatsform.

Diese Maßnahmen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß die hauptsächlich aus Angehörigen des wohlhabenden Bürgertums bestehende Versammlung ein System erstellte, in dem nur die Begüterten das Wahlrecht besaßen. In der Erklärung der Menschen und Bürgerrechte jedoch brachte die Versammlung die Gedanken zum Ausdruck, die der Revolution zugrunde lagen: Der Mensch besitzt unveräußerliche Rechte (Rechte, die ihm nicht genommen werden können). Er ist nicht nur gehorsamer Untertan, sondern als Bürger berechtigt zur aktiven Mitwirkung am Gemeinwesen. Die hier erstmals formulierten Menschenrechte sind bis heute Grundlage unserer Demokratie.

ADLIGE IM EXIL

Nach dem Fall der Bastille gingen viele Adlige, die der neuen Bewegung feindlich gegenüberstanden, ins Exil. Unter dem Einfluß dieser Emigranten wuchs der Argwohn, den die Revolution bei Europas Machthabern geweckt hatte. Sie befürchteten, daß das Beispiel Frankreichs auch bei ihren Untertanen die Verbreitung revolutionären Gedankenguts begünstigen könnte. Es war nur natürlich, daß sie Ludwig XVI. aus seiner mißlichen Lage befreien wollten, da sie das gesamte Ordnungsgefüge in Europa gefährdet sahen.

Die Flucht der königlichen Familie - hier eine Karikatur von ihrer Festnahme in Varennes - bereitete das Ende der konstitutionellen Monarchie vor.

 

Ein Fluchtversuch der königlichen Familie, der in Varennes scheiterte, verschärfte die Situation, Innenpolitisch gewannen die Gegner jedweder Monarchie immer mehr Gehör, und im Ausland mehrten sich die Stimmen, die alte Ordnung in Frankreich durch Waffengewalt wiederherzustellen.

Bürger in der Revolution. Die sechs Männer schwören, ausländische Armeen von Frankreichs Boden zu vertreiben. Die Ideale der Revolution beherrschten den Alltag.

 

Nun überstürzten sich die Ereignisse. Im April 1792 kam es zum Krieg zwischen Frankreich und dem mit Preußen verbündeten Österreich. Im August stürmten radikale Aufständische den königlichen Palast, die Tuilerien, und der König wurde gefangen gesetzt.

Die Aufständischen stürmten die Tuilerien am 10. August 1792. Die Schweizergarde stellte auf Befehl des Königs das Feuer ein - und wurde niedergemetzelt.

Einen Monat später löste die ungünstige Kriegslage Panik aus. Auf der Suche nach vermeintlichen Verrätern drangen die aufgehetzten Pariser Massen in die Gefängnisse ein und ermordeten eine große Zahl der eingekerkerten Royalisten. Von da an trieben Fanatismus und Argwohn die Atmosphäre auf den Siedepunkt; der Mob wütete, „Verräter" wurden denunziert und Opfer einer neuen Hinrichtungsmaschine: der Guillotine.

FRANZÖSISCHE SIEGE        

Die Marseillaise wurde von dem französischen Hauptmann und Amateurmusiker Rouget de Lisle komponiert. Truppen aus Marseille sangen sie, deshalb wurde sie nach dieser Stadt benannt.

Die Gefahr einer preußischen Invasion war nach der Kanonade von Valmy zunächst gebannt. Dies war ein Sieg von symbolischer Bedeutung, da sich die revolutionäre Armee als durchaus schlagkräftig erwies. Am darauf folgenden Tag, dem 21. September 1792, trat eine neu gewählte Versammlung, der Nationalkonvent, zusammen und rief die Republik aus. Frankreichs Siege ermutigten den Konvent, die Revolution nach außen zu tragen; man bot jedem Volk Beistand an, das seine Herrscher stürzen wollte. Im Februar 1793 befand sich Frankreich mit fast jedem Staat Europas im Kriegszustand, und als letzte Herausforderung ließ der Konvent Ludwig XVI, hinrichten.

 

Die Hinrichtung Ludwigs XVI., 21. Januar 1793. Ludwig wurde vom Nationalkonvent als Feind des Volkes vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt.

Je wilder die Revolution sich gebärdete, desto mehr Feinde schuf sie sich.

 

 

Ein Siegel der Jakobiner. Der Name „Jakobiner" leitet sich von dem säkularisierten St. Jakob-Kloster ab, das Treffpunkt der Jakobiner war.

 

In der Vendée (Westfrankreich) brach ein lang anhaltender royalistischer Aufstand aus. Ein Streit im Konvent zwischen zwei rivalisierenden Gruppen, den Girondisten und den Jakobinern, endete mit der Ächtung und Verfolgung der Girondisten, doch schürten ihre Anhänger in den Provinzen neue Aufstände. Im August 1793 wendete sich das Kriegsglück, die Engländer hatten den wichtigsten Hafen, Toulon, eingenommen, das Papiergeld der Republik (Assignaten) verlor rasch an Wert, und ein Großteil des Landes war vom Bürgerkrieg zerrüttet. Dies war die große Krise der Revolution.

Maximilian de Robespierre, Anführer der Revolution von April 1793 bis Juli 1794. Sein Freund Marat nannte ihn „den Unbestechlichen".

 

Unter Führung der Jakobiner reagierte die Republik energisch. Die Macht wurde in zwei Ausschüssen konzentriert, wovon dem Wohlfahrtsausschuß, dem Führungspersönlichkeiten der Jakobiner wie Georges Danton und Maximilien de Robespierre angehörten, am meisten Bedeutung zukam. Die Ausschüsse führten die allgemeine Wehrpflicht ein, stellten neue Heere auf, stabilisierten die Wirtschaft und schickten Kommissare aus, um das Land zu einen und Widerstand zu ersticken.

Jean Paul Marat gehörte zu den führenden Jakobinern. Er prangerte konservative Elemente in der Nationalversammlung an und verlangte die Hinrichtung von Profitmachern. Im Juli 1793 wurde Marat von Charlotte Corday, einer Anhängerin der Royalisten, im Bad ermordet.

 

 

 

 

DIE SCHRECKENSHERRSCHAFT

Die Lage schien sich zu stabilisieren: Ende 1793 waren die ausländischen Streitkräfte verjagt, und der größte Teil Frankreichs befand sich wieder unter Kontrolle der Republikaner. Diese Erfolge wurden allerdings mit grauenvollen Massakern und Terrorakten erkauft. Vor allem in den Provinzen griffen die Kommissare zu brutalen Mitteln. Aber auch in Paris steigerte sich die „Schreckensherrschaft" zu ungeheurer Intensität; Monat für Monat wurden Hunderte von „Verdächtigen" unter immer fadenscheinigeren Vorwänden guillotiniert.

Französische Bürger feiern 1795 ein Fest zu Ehren der Alten. Eine Statue der Vernunft sieht auf die Veranstaltung herab.

Selbst das politische Gerangel zwischen den verschiedenen Splittergruppen der Jakobiner artete in Terror aus. Höhepunkt war die Ermordung Dantons und seiner Anhänger während der kurzen Herrschaft von Robespierre, der seinerseits gestürzt und im Juli 1794 enthauptet wurde. Die Massenhinrichtungen schienen kein Ende zu nehmen, doch konnte schließlich die Mehrheit im Konvent, getragen von der öffentlichen Meinung, dem Gemetzel und dem Schrecken Einhalt gebieten.

Die Französische Revolution erfährt eine entscheidende Wendung: Napoleon und seine Truppen lösen im November 1799 den Rat der 500, die untere gesetzgebende Körperschaft, auf.

Unter dem neuen republikanischen Regierungsgremium, dem Direktorium, das an die Stelle des Konvents trat, beruhigte sich das politische Klima in Frankreich allmählich. In Europa jedoch tobte der Kampf weiter; die französischen Streitkräfte trugen den Krieg nach Deutschland, in die Schweiz und nach Italien und wandelten die besetzten Länder in Republiken um. Die glänzendsten Siege in Italien erfocht ein junger General namens Napoleon Bonaparte, der später an die Spitze der Französischen Republik - und der Revolution treten und ihren Kurs ändern sollte.