thumbtack.gif (1707 Byte)NMM: der Aufstieg des Faschismusthumbtack2.GIF (2009 Byte)

  layingbooks.gif (12428 Byte)  

 

Auftrag (Word-Datei)

 

In den 20er und 30er Jahren unseres Jahrhunderts kam in Europa eine neue politische Bewegung auf: der Faschismus. Mit seinen totalitären Führern und seinem aggressiven Nationalismus schritt er schier unaufhaltsam voran.

So erlebten die Abessinier die italienische Invasion. England und Frankreich verhinderten Mussolinis Angriff nicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) schien es zunächst, als habe die Demokratie endgültig den Durchbruch geschafft. Die großen alten Reiche und Militärdiktaturen in Europa waren zusammengebrochen und durch parlamentarische Republiken ersetzt worden. Die Auswirkungen des Krieges und die Weltwirtschaftskrise 1929 rie­fen indes neue Kräfte auf den Plan: zum einen den Kommunismus, der nach dem Vorbild der Russischen Revolution von 1917 eine Diktatur des Proletariats (der Arbeiterklasse) errichten wollte, zum anderen den Faschismus.

DIE ÄRA DES FASCHISMUS 

Der Faschismus war extrem antikommunistisch und gleichzeitig antidemokratisch ausgerichtet. Im Bürgertum und bei den Landbesitzern genoß er starken Rückhalt, da man in ihm einen Schutzwall gegen den Kommunismus sah. Er war jedoch mehr als eine bloße konservative Bewegung. Die faschistischen Staaten waren Diktaturen, in denen eine Partei regierte, die keine Opposition duldete. An ihrer Spitze stand ein Führer, der die gesamte Macht auf sich vereinte.

Waren die Faschisten einmal an der Macht, gaben sie sie nicht mehr aus der Hand. Mit modernsten Organisations- und Propagandamitteln mobilisierten sie die Massen. Sie redeten den Bürgern ein, daß Staat oder Nation das höchste Gut und Gehorsam und Opferwille die erhabensten Tugenden seien und daß sich erst im Krieg die wahre Größe eines Volkes erweise. Der faschistische Staat war dem Wesen nach ein militaristischer Staat.

DIE SCHWARZHEMDEN       

Unter den Begriff „Faschismus" sind eine Reihe verblüffend ähnlicher Bewegungen zusammengefaßt, die sich lediglich dem Namen nach unterschieden. Das Wort wurde von dem ehemaligen italienischen Sozialisten Benito Mussolini geprägt, der im März 1919 die Fasci di Combattimenti gründete, die spätere Faschistische Partei. (Fasci heißt Rutenbündel, und diese galten im antiken Rom als Machtsymbol.)

Bei seinem Aufstieg profitierte der Faschismus von der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Ausgang des Ersten Weltkriegs. Italien hatte auf Seiten der Sieger gekämpft, aber einen zu geringen Teil der Beute erhalten. Dazu kamen die Wirren der Nachkriegszeit, in denen die Faschisten versprachen, die Ordnung wiederherzustellen. Mit Straßenterror und der illegalen Übernahme linksgerichteter Stadtparlamente schwächten sie planmäßig die staatliche Autorität, eine klassische Taktik, die andere faschistische Parteien aufgriffen.

Dies war ein wichtiger Faktor, denn keiner faschistischen Partei gelang es je, bei freien Wahlen die Mehrheit zu erringen. Ihr Erfolg gründete auf der überzeugenden Darstellung ihrer Durchschlagskraft und der Tatsache, daß sie die Furcht vor dem Kommunismus und das geschwächte Selbstvertrauen der Staatsregierungen für ihre Ziele ausnutzten. Mussolinis berühmter Marsch auf Rom im Oktober 1922 war dabei richtungsweisend. Er war eine Massendemonstration der eigenen Macht und brachte Mussolini die Ernennung zum Ministerpräsidenten ein.

IL DUCE UND DER FÜHRER  

Anfänglich nur Führer einer Koalition, schaltete Mussolini nach und nach die gesamte Opposition aus und hatte um 1928 als Il Duce (der Führer) die unumstrittene Herrschaft über Italien inne, das zum Einparteienstaat geworden war. Viele Europäer zeigten sich damals beeindruckt, daß Mussolini es offenbar geschafft hatte, die Ordnung wieder herzustellen und den Italienern Selbstbewußtsein und Tatkraft zurückzugeben. Allerdings schien das nur so, denn jede freie Meinungsäußerung wurde unterdrückt.

 

 

 

 

Dieses italienische Plakat von Mussolinis Leibgarde verdeutlicht die von den Faschisten propagierte Entschlossenheit.

 

 

 

 

Auch Italiens Großmachtstatus war nicht echt. In Wahrheit war Italien ein armes Land, und die Weltwirtschaftskrise von 1929 traf es schwer. Trotzdem, oder um die Aufmerksamkeit von den Problemen im eigenen Land abzulenken, setzte Mussolini um 1930 eine expansionistische Politik in Gang. Er eroberte Abessinien, annektierte Albanien und traf schließlich die verhängnisvolle Entscheidung, sich im Zweiten Weltkrieg mit Nazi­Deutschland zu verbünden.

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war Mussolinis Faschisten nachgebildet und bediente sich zur Machtergreifung in Deutschland (1933) ähnlicher Mittel. Ihr fanatischer Rassismus unterschied sie allerdings entscheidend von Mussolinis Bewegung. Unter ihrem „Führer" Adolf Hitler verfolgte sie im Deutschland der 30erJahre eine skrupellose Expansionspolitik, die den Zweiten Weltkrieg auslöste und damit dem Faschismus ein vorläufiges Ende setzte.

 

 

 

General Franco (Mitte) stand an der Spitze der gegen Spaniens republikanische Regierung revoltierenden Generäle. „El Generalissimo" übernahm nach drei Jahren blutigen Bürgerkriegs die Macht in Spanien.

 

 

 

 

 

 

 

Mussolini und Hitler 1938 in München. Im Mai 1939 schlossen Deutschland und Italien ein Militärbündnis. Die beiden Diktatoren hatten zunächst getrennt agiert, teilten aber das Bestreben, die bestehenden Demokratien zu vernichten.

 

 

 

 

 

 

Oswald Mosley, der Führer der British Union of Fascists, nimmt 1937 in London die Gunstbeweise seiner Anhänger entgegen.

 

 

 

 

DEM ENDE ENTGEGEN

In den 30er Jahren war dies allerdings bei weitem nicht abzusehen. Noch schien es, als könne das 20. Jahrhundert die „Ära des Faschismus" werden, wie Mussolini sie prophezeite. Deutschland und Italien waren auf dem Vormarsch, desgleichen das kaiserliche Japan, dessen Politik zwar nicht ausdrücklich faschistisch, das durch seine freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland und Italien jedoch fest in das faschistische Lager eingebunden war. In ganz Europa gab es faschistische Parteien wie die British Union of Fascists unter Führung von Sir Oswald Mosley in England und die Action Française in Frankreich. Mehr oder minder faschistische Regime gab es in Portugal und Österreich.

Auch in vielen anderen Ländern lösten Diktaturen demokratische Systeme ab. Aufsehen erregte damals Spanien, wo die neugegründete Republik nach links abzudriften schien. 1936 unternahmen spanische Generäle unter Führung von Francisco Franco einen Aufstand, der von der faschistischen Partei der Falange und konservativen, rechtsgerichteten Kräften einschließlich der Kirche getragen wurde. Idealisten aus aller Herren Länder eilten der spanischen Republik zu Hilfe, während Franco von Deutschland und Italien militärisch unterstützt wurde. Nach einem dreijährigen blutigen Krieg trug Franco den Sieg davon. Gewitzt genug, sich aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuhalten, blieb er bis zu seinem Tod 1975 Diktator Spaniens.

Der Ausgang des Spanischen Bürgerkriegs bedeutete einen schweren Rückschlag für die Demokratie im Kampf gegen den Faschismus. Bei Ende der Kämpfe im März 1939 stand indes der Ausbruch eines entscheidenderen, weltweiten Konflikts unmittelbar bevor.