thumbtack.gif (1707 Byte)NMM: Zeitalter des Imperialismusthumbtack2.GIF (2009 Byte)

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Seit Kolumbus nahmen die europäischen Mächte überseeische Gebiete in Besitz. Doch Ende des 19. Jahrhunderts gipfelte der Kolonialismus im imperialistischen Kampf um die Aufteilung der gesamten Welt.

Nach den großen Entdeckungen nahmen Portugiesen und Spanier Land für ihre Krone in Besitz und betrachteten sich als legitime Herrscher über bis dahin unbekannte Völker. Die Edelmetallvorkommen in Südamerika wurden für Madrid und Lissabon ausgebeutet, die Holländer kamen durch die Einfuhr exotischer Gewürze zu Reichtum. Die Überlegenheit europäischer Waffentechnik machte es möglich, den Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu brechen und europäische Herrschaftsstrukturen, christliche Religion und Kultur auch in die entlegensten Winkel der Welt zu tragen. Die großen Seefahrernationen, zu denen bald auch England und Frankreich gehörten, schickten Expeditionen aus, die auf dem neu entdeckten Gebiet ihre Flagge hißten und es damit dem Mutterland einverleibten.

Der Wettbewerb um die überseeischen Besitzungen ging nicht ohne Konflikte ab. So etwa kaperten englische Piraten spanische Silbertransportschiffe, und im 18.Jahrhundert führten Engländer und Franzosen einen erbitterten Krieg um die nordamerikanischen Besitzungen. Indes wurde die Not für breite Bevölkerungsschichten in den Mutterländern immer größer. Politisch oder religiös verfolgte Gruppen ebenso wie verarmte Bauern und Handwerker versuchten in den Kolonien einen Neuanfang.

1877 nahm Königin Viktoria den Titel der indischen Kaiserin an. Um ihre Stellung auch äußerlich zu demonstrieren, umgab sie sich mit indischen Dienern. Auch wenn der Subkontinent immer ein attraktives Anlageobjekt britischer Investoren war, gelang es der englischen Verwaltung zu keiner Zeit, den politischen und militärischen Widerstand der Inder dauerhaft zu unterdrücken.

 

 

Die einheimische Bevölkerung wurde rücksichtslos zur Arbeit in den Bergwerken oder auf den Feldern gepreßt. Da das neuentdeckte Land zumeist nur sehr dünn besiedelt war, griff man bald auf Sklaven zurück, die skrupellose Menschenfänger von Afrika vor allem nach Amerika verkauften. Ganze Inselgruppen dienten als überdimensionale Gefängnisse, von denen es kein Entrinnen gab.

Zum 50jährigen Thronjubiläum von Königin Viktoria wurde diese Keramikarbeit gefertigt. Eine Weltkarte zeigt den britischen Kolonialbesitz, und imposante statistische Zahlen preisen „das Reich, in dem die Sonne niemals untergeht".

Es ist nicht verwunderlich, daß die Siedler in vielen Kolonien die Früchte ihrer Arbeit nicht nach Europa verschwinden sehen wollten. So begehrten die nordamerikanischen Kolonisten gegen die Engländer auf. Viele Bauern aus Braunschweig und Hessen, die als Söldner von ihren Landesfürsten an die britische Krone verkauft worden waren, schlugen sich auf die Seite George Washingtons, der im Krieg von 1775-1783 die Unabhängigkeit der zunächst 13 Vereinigten Staaten von Amerika erkämpfte. Unterstützt wurden die „Amerikaner" von Spanien und Frankreich. England wiederum förderte den Freiheitswillen der Südamerikaner, die sich Anfang des 19.Jahrhunderts von Spanien bzw. Portugal lösten und eigene Staaten bildeten.

DIE ENGLISCHE KOLONIALMACHT

Trotz der ersten militärischen Niederlage seit dem Hundertjährigen Krieg und dem Verlust des Atlantik-Empires konnte der weltpolitische Aufstieg Englands nicht aufgehalten werden. Im 19. Jahrhundert war England das industriell fortgeschrittenste Land. Doch nach dem Sklavenhandelsverbot schwand das Interesse an den afrikanischen Kolonien. Handel und Industrie suchten neue Absatzmärkte in Südamerika und Asien. Der formelle Anspruch auf überseeische Gebiete wich einer Politik, die den wirtschaftlichen Einfluß in allen Weltregionen sichern wollte, ohne jedoch unbedingt einen formellen Herrschaftsanspruch zu erheben. So zwangen die Engländer China im „Opiumkrieg" zur Öffnung des Landes für den Import britischer Produkte, ohne das Land zu besetzen. Kanada erhielt 1867 die politische Autonomie, wobei die englischen Wirtschaftsinteressen voll gewahrt blieben. Die kolonialen Erwerbungen erscheinen eher zufällig, es ging hauptsächlich um den freien englischen Handel. England verfügte über ungeheure Kapitalmengen, die irgendwo angelegt werden mußten und eine permanente Steigerung des Außenhandels und eine entsprechende politische und militärische Absicherung des Empire verlangten. Um 1880 stellte Großbritannien 46% der Welthandelstonnage, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand die Ideologie des Imperialismus. Die wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen verbanden sich nun mit einem britischen Sendungsbewußtsein, einer vom Puritanismus geprägten Vorstellung, daß englische Zivilisation und englische Wertevorstellungen den Völkern der Welt beigebracht werden mußten, und sei es mit Gewalt. In seiner berühmten Kristallpalastrede formulierte Premierminister Disraeli 1872 den britischen Führungsanspruch unmißverständlich. Eine alle gesellschaftlichen Klassen übergreifende Imperialismusbegeisterung forderte die permanente Ausweitung der britischen Weltmission.

Bis 1842 war nur einer begrenzten Anzahl von Kaufleuten der Zutritt nach China gestattet Der gesamte chinesische Außenhandel wurde über Kanton abgewickelt.

Doch Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Rußland wollten sich bei der Aufteilung der Welt ebenfalls ihr Stück vom Kuchen abschneiden.

1788 entstand in Australien die erste englische Ansiedlung als Neusüdwales. Weitere Kolonien folgten, deren erste Siedler rast nur Strafgefangene waren.

 

 

 

Nach der Entdeckung durch James Cook wurde Neuseeland 1840 britische Kolonie. Mit brutaler Waffengewalt wurde der Kampfgeist der einheimischen Maori gebrochen.

 

 

 

FIEBERWAHN DES IMPERIALISMUS

Um 1880 erhielt die Kolonialpolitik der europäischen Mächte eine neue Dimension. Nicht mehr Entdeckergeist oder Eroberungen zur Prestigesteigerung eines Herrschers, sondern die systematische Unterwerfung technologisch unterlegener Völker war nun die außenpolitische Devise. Die Gründe für den nun einsetzenden Wettlauf um die Inbesitznahme der noch nicht kolonisierten Teile der Welt sind äußerst vielschichtig. Zum einen lag das Motiv in der Sicherung von Rohstoffquellen und Siedlungsraum für den eigenen Bevölkerungsüberschuß. Zum anderen hatte die Industrialisierung einen bis dahin nicht gekannten Reichtum erzeugt, der nicht in den Schatztruhen der Herrscher gehortet werden konnte, sondern den Gesetzen des modernen Kapitalismus folgend ständig neu angelegt werden mußte. Geld wurde im großen Stil zu Kapital, das heißt, es mußte immer neu investiert werden, um aus Geld noch mehr Geld zu machen. Der Eisenbahnbau zunächst in den Mutterländern, dann aber auch in den Kolonien und im Nahen Osten war eine ideale Anlagemöglichkeit, um die sich die Industrienationen bemühten. Die Kapitaleigner und Industriellen verlangten von ihrer nationalen Regierung die Sicherung ihrer Interessen gegenüber den ausländischen Konkurrenten.

Ende der 30er Jahre des 19. Jhs, gab es in China trotz ausdrücklichen Verbots etwa 2 Millionen Opiumraucher. Das Rauschgift war die einzige Ware, die die briti­che Ostindische Gesellschaft gewinnbringend an China verkaufen konnte. Als die chinesischen Behörden den Opiumhandel verbieten wollten, sah England darin einen Verstoß gegen den freien Handel mit dem Kaiserreich.

Doch wirtschaftliche Faktoren reichen zur Erklärung bei weitem nicht aus. So kosteten die meisten Kolonien die Mutterländer bedeutend mehr, als sie tatsächlich einbrachten. Es gab auch innenpolitische Gründe: Eine imperiale Großmachtstellung sollte die politische und ökonomische Struktur der einzelnen europäischen Länder absichern. So war der Präsident des 1882 gegründeten „Deutschen Kolonialvereins" der Ansicht, „daß wir in Deutschland die Gefahr des Sozialdemokratismus nicht wirksamer bekämpfen können" als durch den Kolonialismus.

DER KAMPF UM AFRIKA       

1914 war fast ganz Afrika unter den europäischen Mächten aufgeteilt

Die Besetzung Tunesiens durch Frankreich und Ägyptens durch England markierten den Beginn einer Welle kolonialer Unternehmun­gen auf dem afrikanischen Kontinent. Waren bis vor 1880 nur einige Küstenstriche unter europäischer Kontrolle, so drangen nun Missionare und Abenteurer immer weiter ins Landesinnere vor. Es folgte das Militär, um das Land formell in Besitz zu nehmen.

Die besondere Grausamkeit der Kolonialherrschaft im Kongo unter dem belgischen König Leopold II ist Gegenstand dieser kritischen Karikatur.

 

 

 

 

 

 

Diese französische satirische Darstellung greift die britische Ägyptenpolilik an. Allerdings setzten sich alle Kolonialmächte über Menschenrechte und Selbstbestimmungsrecht der Völker selbstherrlich hinweg.

 

Der Kap-Kairo-Plan gewann in England mehr und mehr an Gestalt. Von Norden her wurden Anfang der80erJahre der Sudan und das untere Nigerbecken unter englische Vorherrschaft gebracht. Im Süden scheiterte der Versuch, die Kontrolle über Transvaal zu erlangen, doch wurden Somaliland (1884),Uganda (1895) und Kenia (1886) britisch. Von der Kapkolonie aus bereitete Ceclil Rhodes die Eroberung des Burenstaates vor, die nach dem Jameson-Einfall in Transvaal (1895/96) im Burenkrieg von 1899-1902 gelang.

Ein Afrikaner in französischer Uniform in der französischen Kolonie Senegal.

 

 

Frankreich dehnte seine Kolonialgebiete beträchtlich aus und beherrschte gegen En­de des Jahrhunderts nahezu ganz West- und Nordwestafrika, Teile des Kongo und Madagaskar. Italien engagierte sich an der Küste des Roten Meeres und in Somaliland, und der König des kleinen Belgien gewann große Gebiete im Kongo-Becken. Deutschland unterstützte die französischen Kolonialunternehmungen, um den Revanchegedanken für den Krieg von 1870/71 abzuschwächen. Die Politik der „splendid Isolation" brachte England in Konflikt mit Frankreich. Sie führte schließlich in der Faschoda-Krise 1898 zu ernsthaften Spannungen.

Bismarck sah die privaten deutschen Kolonialunternehmungen eher skeptisch, unterstützte sie jedoch, um dem deutschen Handel Impulse zu geben und ein innenpolitisch einigendes Moment zu schaffen. Der koloniale Enthusiasmus, wie er dem späteren Kaisers Wilhelm II eigen war, lag ihm völlig fern. Dennoch kamen in Afrika, neben einigen Erwerbungen im pazifischen Raum, Südwest-Afrika, Ostafrika, Togo und Kamerun unter deutsche Verwaltung.

 

WILHELM II.      

Während die aktive Kolonialpolitik für Bismarck eine Episode blieb, sollte nach Meinung Kaiser Wilhelm II. „am deutschen Wesen die Welt genesen'. Seit 1890 betrieb nun auch Berlin „Weltpolitik". Das von Bismarck sorgsam im Gleichgewicht gehaltene europäische Mächtesystem wurde durch das Säbelrasseln der deutschen Kolonialpolitik empfindlich gestört.

1919  mußte Deutschland sämtliche Kolonien abtreten. Zur Begründung wurde das Bild des besonders inhumanen häßlichen Deutschen von den Alliierten gern gepflegt.

Zwei Marokkokrisen 1905 und 1911 führten zu Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich. Die deutsche Unterstützung der Buren verstimmte England, und bald sahen sich die Großmächte einer sich wild gebärdenden aufstrebenden Nation gegenüber, deren Gefährlichkeit nicht einzuschätzen war. In der Tat gab es kein in sich geschlossenes imperialistisches deutsches Programm. In China wurde mit Kiautschou eine Kohleversorgungsstation für eine Überseeflotte erworben, die es nicht gab, während die in großem Umfang gebauten Kriegsschiffe nur für militärische Einsätze im Nordseeraum geeignet waren. Unüberlegte Interviews des Kaisers, deutsche Kanonenboote in afrikanischen Krisengebieten und überzogene Drohgebärden, die Deutschlands weltpolitische Geltung zum Ausdruck bringen sollten, hatten die außenpolitische Isolation des Reichs zur Folge. Deutschland hatte in der Wilhelminischen Ara doch so viel diplomatisches Geschirr zerschlagen, daß es als gleichberechtigte imperialistische Macht nicht akzeptiert werden konnte.

DER MODERNE IMPERIALISMUS

Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die deutschen Kolonien verloren und das Osmanische Reich wurde in die Grenzen der heutigenTürkei verwiesen. Die Bewältigung der allgemeinen Wirtschaftskrise der 20er Jahre war das vordringliche Problem. Doch zeichneten sich neue imperialistische Konflikte ab, die zu einem globalen Krieg führen sollten. In Ostasien schickte sich Japan an, den pazifischen Raum unter seine Kontrolle zu bringen, und in Deutschland war es Adolf Hitler, der „Lebensraum im Osten" schaffen wollte.

Doch nach 1945 änderte sich die Situation. Nach dem Ende der japanischen Herrschaft wollten die Menschen in Indochina oder Indonesien nicht einfach wieder zum Vorkriegsstatus zurückkehren. Mahatma Ghandi verschaffte Indien die Unabhängigkeit. Die Holländer mußten nach einem blutigen Krieg, der heute fast vergessen ist, ihre ostasiatischen Ansprüche aufgeben, und Frankreich konnte sich im Dschungelkrieg nicht gegen die Vietminh behaupten. Unterstützt wurden die Befreiungsbewegungen durch die nun zur Supermacht gewordene Sowjetunion. Der Kalte Krieg bestimmte das Weltgeschehen. Die klassischen Kolonialmächte traten von der weltpolitischen Bühne ab, die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion teilten die Welt in ihre Einflußsphären. In Korea und Vietnam führten sie ihre Stellvertreterkriege. Der von der Sowjetunion propagierte Emanzipationsanspruch der unterdrückten Völker war dabei ebenso eine Farce wie die amerikanische Freiheitsideologie. Es ging um Rohstoffquellen und machtpolitische Einflußzonen, jetzt nur ohne konkreten formellen Herrschaftsanspruch.

In den 50er und 60erJahren erlangten die meisten Länder ihre Souveränität, wenngleich die alten Kolonialmächte ihren Einfluß durchaus zu sichern wußten. Frankreich mußte nach einem furchtbaren Krieg Algerien preisgeben, und Mosambik und Angola wurden erst nach dem Ende der Diktatur im April 1974 von Portugal unabhängig, das sich bis dahin durch den Einsatz brutaler Waffengewalt behauptet hatte.

Trotz der Lektionen, die Amerika in Vietnam und die UdSSR in Afghanistan lernen mu ßten, ist das Kapitel Imperialismus immer noch nichtvollkommen abgeschlossen. Nach dem weitgehenden Zusammenbruch des Kommunismus herrscht keineswegs das so oft propagierte Selbstbestimmungsrecht der Völker. Tibet ist seit einer Generation von China besetzt, Frankreich zündet Atombomben auf pazifischen Atollen, amerikanisches, japanisches und europäisches Kapital bestimmt die Geschicke der„Dritten Welt". Unter dem Deckmantel der Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten wird weiter gemordet zum Wohle der Wirtschaft der reichen Nationen.